Entspannen - Wohlfühlen - Genießen


Der Rekordbesucher aus Bremen

Werner Rust kurt zum130.Mal in Bad Füssing – Seit den 1970er Jahren über 215 000 Kilometer zurückgelegt

Von Melissa Draa (Bericht Passauer Neuen Presse im April 2018)

 

Bad Füssing. Über 215 000 Kilometer, das entspricht fünf Mal derUmrundung der Erdkugel – das ist die Strecke, die der 86-jährige Bremer Werner Rust bisher zurückgelegt hat, um denKurort, besser gesagt den Bad Füssinger Schillerhof und die hiesigen Thermen zu besuchen. Und das heuer zum 130. Mal.

Laut Christoph Schiller, Inhaber des Schillerhofs, sind das mindestens 1820 Tage oder 60 Monate, also ganze fünf Jahre Lebenszeit, die der Norddeutsche im Rottal verbracht hat – das macht ihn zum Rekordbesucher. Das wurde im Schillerhof jetzt besonders gefeiert. Kurz lässt er auf sich warten, der BremerEhrengast. Als er dann im Lokal eintrifft, ist er sichtlich über den Trubel um seine Person überrascht. „Es ist wohl nicht mehr von der Hand zu weisen, dass ich schon sehr oft zu Besuch war“, sagt Werner Rust lachend. Sein frohes Gemüt führt schnell zu einer lockeren Atmosphäre. Das Gespräch mit ihm lässt die Anwesenden in Erinnerungen schwelgen und über alte Zeiten plaudern.

Früher betrug die Anreisezeit zwei Tage

„Ganze Zwei Tage haben wir früher für die Anreise gebraucht“, erzählt der 86-Jährige in seinem Bremer Schnack der Runde. „Natürlich haben wir die Strecke ganz typisch in einem VW-Käfer zurückgelegt.“ Damals zu seinem ersten Besuch waren  Die Autobahnen auf der Strecke noch nicht ausgebaut, weshalb der mühselige Weg von rund 825 Kilometern auf vielen Landstraßen zurückgelegt werden musste. Im Schillerhof, den er und seine Frau seit jeher immer wieder aufs Neue besuchten, gab es damals in den Kellerräumen Musik und Tanz. Das Ortsbild hat sich bis heute beträchtlich geändert, gefühlt war das Hofgebäude früher weit und breit das Einzige, lediglich ein Metzger, bei dem kurz vor der Schlachtung die Schweine gequiekt haben, war nebenan.

„Werner Rust ist eine Institution hier in Bad Füssing“, sagt Christoph Schiller. „Schon seit ich ein kleiner Bub war, ist mir der Name Rust ein Begriff.“ Zwei bis drei Mal im Jahr kommt der Bremer ins ferne Rottal und verbringt mindestens 14 Tage im Kurort. Und so fit, wie der Ehrengast mit seinen 86 Jahren ist, scheint das Thermalwasser nicht nur den Körper, sondern auch den Geist jung zu halten. Denn auf den Mund gefallen ist der norddeutsche Jung‘ definitiv nicht, er Spricht munter drauf los. „Hätte ich gewusst, dass ich dem Kurort 130 Besuche abstatte und heute so ein Trubel um meine Person ist, hätte ich mir das Datum meines ersten Besuchs sicherlich gemerkt“, sagt der Bremer scherzend. Bereits seit den 1970er Jahren besucht der ehemalige Betriebselektriker Rust den Schillerhof. Rudolf Weinberger, Kurdirektor, spricht dem Bremer hierfür und für die langjährige Treue zu Bad Füssing seinen Dank aus. Zudem überreicht er ihm eine Ehrenurkunde, eine goldene Ehrennadel und neben mehreren kleinen Geschenken auch eine Füssinger Uhr, die den 86-Jährigen daran erinnern soll, wann wieder Zeit für ein Abstecher nach Niederbayern ist. „130Besuche, das hat noch keiner geschafft“, fügt KurdirektorWeinberger hinzu.

Der Bremer schwört auf das Heilwasser

Die Konkurrenz ist ihm jedoch dicht auf den Fersen. Ein Münchner mit 125 Kurort-Besuchen scheint die Fahrten nach Bad Füssing genauso sehr ritualisiert zu haben wie der Norddeutsche. Dem kann Werner Rust jedoch nur mit einer Portion trockenem Humor hinzufügen: „Das zählt aber nicht. München ist ja gleich um die Ecke.“ Die Aussage, dass sich Bad Füssing im Speckgürtel Münchens befindet, darf man sich als jemand aus dem hohen Norden schon mal erlauben – sind sich die Anwesenden einig.  

Auf die Frage hin, was ihn das erste Mal in den Kurort geführt hat, sagt er wehmütig, dass seine Frau ausschlaggebend war. Jedoch möchte er nicht weiter darauf eingehen, da die Gründe wohl gesundheitlicher Natur waren – im Gespräch erwähnt er jedoch Probleme mit dem Meniskus. Ein Bekannter hatte damals empfohlen, in die niederbayerischen Thermen zu fahren, das sei gut für die Gelenke. Die heilende Wirkung des Wassers sei dann auch der wesentliche Anlass für die häufigen Besuche und einhergehenden Reisestrapazen gewesen. Dass sie immer wieder in den Schillerhof einkehrten und sich keine andere Unterkunft suchten, lag unter anderem daran, dass sie sich immerwohl und zu Hause gefühlt haben. „Zudem war uns ein Aufzug wichtig“, fügt der Bremer lachend hinzu.

Auch in der Rottaler Region waren sie unterwegs, zum Beispiel auf dem Karpfhamer Volksfest – „Zeit zum Bier trinken findet sich immer“, sagt der Bremer. Und dass er das ein oder andere Wort im niederbayerischen Dialekt nicht versteht, ist dann auch nichtweiter schlimm. Auch Familie undFreunde mussten den Weg nach Bad Füssing schon auf sich nehmen. „Die hab ich einfach mitgeschleppt, aber alle fanden es toll“, erzählt der Bremer schon fast ein bisschen stolz.

Vielleicht kommt er heuer noch einmal

Angereist ist Werner Rust diesmal mit dem Zug, die Autofahrten auf so einer langen Strecke sind zu anstrengend geworden. Der 86-Jährige reist alleine, denn seine Frau hat „vor einiger Zeit die Augen geschlossen“, wie er es selbst formuliert. Wenn er von ihr spricht, merkt man schnell, wie sehr er sich bemüht, sein frohes Gemüt aufrecht zu erhalten. Plötzlich füllen sich seine Augen mit Tränen und er wechselt schnell das Thema. „Genug geplaudert für jetzt“, sagt er resolut. Er möchte nun sein sahniges Stück Kuchen essen, das Familie Schiller ihrem Ehrengast aufgetischt hat. Was ihm bleibt, sind die Erinnerungen. „Wenn der liebe Gott das will, komme ich heuer nochmal nach Bad Füssing.“ Das wäre dann das 131. Mal – der nächste Rekord.